50% noch unentschlossen im Saarland, 48% in Thüringen

Das ist kein Witz, mir war das auch entgangen. Haben die meisten Zeitungen wohl einfach vergessen zu schreiben, ist ja auch nicht so wichtig, oder? Ich habe die entsprechende Information über das Saarland zuerst ausgerechnet bei Bild.de gesehen, aber nicht gleich geschaltet. Gestern habe ich es dann in einem Artikel bei stern.de noch einmal gefunden. „Tatsächlich sind bisher knapp 50 Prozent der Saarländer unentschlossen, wen sie wählen sollen“, schreibt Sebastian Christ dort. „Gerade das macht den Wahlabend so spannend. Und es macht die schönen Strategiepläne der Parteien so unfassbar vorläufig.“ Weiterlesen

Blitzmerker mit Torschlusspanik

Sonntag war High Life mit Tuten und Blasen im Kanzleramt. Über die Mauer aus dem Kanzlergarten hervor quoll schmetternd der Radetzkymarsch, das Volk ging taktklatschend mit und bejohlte anschließend sich und die Kapelle wie bei einem Rockkonzert. So schlecht kann es dem Land nicht gehen, dachte ich, und eilte schmissig beschwingt voran zum Brötchenholen. Dort in der Schlange wurde meine Laune gleich noch besser, als ich über die Schulter des Vordermanns hinweg das Titelblatt der taz erspähte, mit Oskar Lafontaine und der Frage: „Rettet er die SPD?“

Kommt das nur mir so vor oder sind jetzt irgendwie auf einmal ein paar nicht ganz unwichtige Leute vergleichsweise lieb zu Oskar? Es begann mit dem Sommerinterview in der ARD, ein Interview so mit richtigen, brauchbaren Fragen und echtem antworten dürfen. Lafontaine konnte sein Glück gar nicht fassen und blickte immer wieder misstrauisch in die Runde: Wo ist der Haken, wann kommt das dicke Ende, wann beginnt das Bashing? Eilig bemühte er sich, möglichst viel politischen Inhalt unterzubringen, unter anderem durch mitreißendes Aufzählen von Gesetzentwürfen. Wer weiß schließlich, wann sich das nächste Mal so eine Gelegenheit bietet. Weiterlesen

Der Aufschwung ist da!

Von Noras Herrchen

Hallo, ich bin zurück! Und zwar zunächst mit Plakat Nummer 3  aus der Reihe Wirtschaftsexperten/Bundesregierung. Darin geht es um die Kunst, eine Statistik richtig zu lesen. Die Kurve ist eine künstlerische Variation zum Thema „Auftragseingänge der deutschen Industrie“.l

Aktualisierung 24. August, 23.06, passt wie A**** auf Eimer:
Die Financial Times Deutschland meint Kahlschlag kommt nach der Wahl. Gerade gefunden bei hacedeca bei Weissgarnix

Übrigens gibt es die Plakate jetzt auch bei Flickr.

Der Aufschwung ist da
Original-Hintergrundbild: Public Domain

Ich muss arbeiten

Ich bin im Moment nicht besonders gesprächig, weil ich sehr viel arbeiten muss. Als ich aus einem spontanen Wut- und Kreativitätsanfall heraus vor ein paar Wochen dieses Blog eingerichtet habe, herrschte bei mir gerade Flaute und ich habe nicht bedacht, dass Arbeit und Blog zusammen sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich werde mich voraussichtlich spätestens nächste Woche wieder häufiger melden.

Eine (andere) Hetzjagd und die Medien

Der am Sonntag in der FAZ erschienene Artikel „Links blinken, rechts abbiegen“ von Volker Zastrow über die Vorgänge um die Nicht-Ministerpräsidentin-Werdung von Andrea Ypsilanti in Hessen hat vorgestern für muntere Reaktionen gesorgt. Zastrow schreibt darin, dass die vier hessischen SPD-Abweichler Jürgen Walter, Carmen Everts, Dagmar Metzger und Silke Tesch Andrea Ypsilanti im Sommer 2008 noch bestärkt haben, eine Regierungsbildung mit Unterstützung der Linkspartei zu versuchen. Erst als sich abzeichnete, dass Walter das von ihm angestrebte Wirtschaftsressort nicht bekommen sollte, seien die vier umgeschwenkt.

Chris von F!xmbr, den bekennenden „Chef-Zyniker zum Thema SPD“, ließ es „sprachlos zurück.“ Er schreibt in seinem Beitrag, „Das Gewissen, eine Hetzjagd und die Medien„, dass sich „unzählige Medien in einer Titelgeschichte bei Andrea Ypsilanti entschuldigen“ sollten. Frank Lübberding von Weissgarnix war weniger überrascht. Und er ist nicht damit einverstanden, dass Zastrow aus seinem ursprünglich geplanten „Heldenstück ein Schurkendrama gemacht“ hat, denn das hätten die Hauptdarsteller nicht verdient. „Sie sind, bei allem Respekt, mittelmäßige Figuren. Ihr Treiben hätte niemanden interessiert, wenn mit Hessen nicht ein bundespolitisches Signal verbunden gewesen wäre. Der Sturz Kurt Becks war die direkte Folge der hessischen Ereignisse gewesen.“ Frank kann Zastrows Überraschung darüber, „dass es diese Helden in Wiesbanden nicht gab,“ kaum glauben. Weiterlesen

Willkommen in russisch Sizilien

… sollte diese Plakatserie eigentlich einmal heißen. Das ist diplomatisch nicht korrekt, politisch auch nicht. Hätte mich aber nicht gestört, ist ja Satire. Außerdem trifft es tatsächlich irgendwo mein Gefühl: »Zustände sind das hier…!« Das ist nicht das Land, in dem ich aufgewachsen bin und gegen das ich viele Jahre lang so fröhlich demonstriert habe. Das ist nicht mein Deutschland, wie ich es kenne. Mein Land wurde abgeschafft, und jetzt vermisse ich es irgendwie. Ich bin heimatvertrieben, ich will mein Land zurück!

Bis die Achse bricht
Original-Hintergrundbild: Sebastian Terfloth

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Ozeanien war schon immer unser Freund

Die Forschungsgruppe semtracks bescheinigte den Linken kürzlich in einer semantischen Analyse unter dem Titel »Wie extremistisch ist die Linkspartei?«, dass sie »sprachlich kaum anders auftritt als die Parteien der Mitte.« In einem Interview in der taz gelang es semtracks-Gründer Noah Bubenhofer und der Autorin Jana Petersen nun, diese Formulierung so intensiv zu vermeiden, dass genau der gegenteilige Eindruck entsteht. Die Online-Version des Artikels heißt „Die Linke nutzt Schimpfvokabular“ und macht beim Lesen dermaßen glücklich, dass es den Nachdenkseiten gestern einen Hinweis wert war.
Ich habe einen Kommentar bei der taz hinterlassen, aber es ist ein halbes Buch geworden, deshalb lege ich das Werk parallel auch noch hier ab.

Von Noras Herrchen

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